Kirchweihfest und Kirmes oder auch KERWE

Flomersheimer Kerwe

Schon seit tausend Jahren wird von den Katholiken das Kirchweihfest – der Tag der Weihe einer Kirche durch den Bischof – gefeiert. An den Festgottesdienst schließt sich ein Volksfest an. Um die Unzahl von Festen zu steuern, die sich bei Festhalten an den wirklichen Jahrestagen ergeben hatte, wurde ein für alle geweihten Kirchen eines Bistums gemeinsamer Gedenktag festgelegt, der meist Ende Oktober, Anfang November liegt und oft noch außerdem die Bedeutung eines Erntedanktages hat. Fast überall ist das Kirchweihfest – oder Kerwe, Kilbe, Kirmes (Kirchmesse), bayrisch Kirta (Kirchweihtag) – ein lautes, ungebärdiges, ja fast zügelloses Fest. Der eigentliche Anlass ist aus dem Jahrmarktstreiben und seinen derben Volksbelustigungen kaum noch zu erkennen. So hat sich die Kirmes auch in protestantischen Gegenden erhalten, wo es ja die Kirchweihe nicht gibt.

Eine besondere Anziehungskraft haben die ländlichen Kirchweihfeste auch für die jugendliche Stadtbevölkerung der Nachbarschaft. Luftschaukel, Karussells, Schießbuden bestimmt das Bild. An Kirmes tauchen auf den Bauerhöfen gern die Verwandten im Feststaat auf, nehmen am festlichen Mahl teil und werden mit „Ausgezogenen“, einem Schmalzgebäck, reichlich bewirtet. Dabei tauschen sie die letzten Neuigkeiten über den Ausfall der Ernte und die zu erwartenden Hochzeiten aus.

………………..das jedenfalls meinen die Autoren im Buch „Hausbuch der Feste und Bräuche“

Kerwe: Früher kam die ganze Familie zusammen

Kirmes, Kerwe, auch Kirchweih genannt, war ursprünglich ein Erinnerungsfest an den tatsächlichen Tag der Kirchweihe. Entsprechend wurde es genau an diesem Tag gefeiert. Im Laufe der Jahre wurden die Kirchentage aber auf Wunsch der Landesherren überall so zusammengelegt, dass sie zwischen Ende August und Michaelis (29. September) gefeiert wurden.

Kerwe war eigentlich sowohl ein Dorf-, als auch ein Familienfest. Es dauerte mindestens zwei Tage. Vorher wurde tagelang gebacken und gekocht, im Haus alles geputzt, damit beim Besuch der eingeladenen auswärtigen Familienangehörigen und Freunde alles blitzte und glänzte. Früher kam zur Kerwe die ganze Familie zusammen. Zur Kerwe gehörte früher immer auch ein Kirchgang am Sonntag, danach fand eine Prozession durch das Dorf oder über die Felder statt. Dann folgte ein üppiges Mittagsmahl, anschließend gab es Kaffee und wahre Kuchenberge. Nachmittags zog man auf den Dorfplatz und tanzte, am Abend ging die Feier in einem Saal oder in einer Tenne weiter. Ein Kerwetag stand immer ganz im Zeichen von Spielen und Wettkämpfen: Laufen, Reiten, Sackhüpfen, Hammeltänze, Fahnentänze, Ringkämpfe und Raufen gehörten dazu, auch Vogelschießen, Wettklettern am Kerwebaum, Vieh-Wett-Treiben und ähnliches mehr.

Am letzten Kerwetag wurde Kehraus gefeiert, oft mit Mummenschanz, mit einer Jagd zwischen einem blumengeschmückten Läufer und einem zotteligen „Kehraus“ oder mit Eseln und Tanzbären, die durchs Dorf geführt wurden.

Kinder, Knechte und Mägde durften immer mitfeiern und bekamen extra für die Kerwe neue Schuhe und Kleider und natürlich Kerwegeld. Einige der alten Bräuche haben sich bis heute erhalten. So gibt es bei allen Kerweveranstaltungen nach wie vor den klassischen Kerwetanz, in einigen Gemeinden gehört auch das Kewebaumklettern zur Tradition. Aus der Prozession sind wohl die Kerweumzüge geworden.

Gleich geblieben ist aber das Beisammensitzen auf dem Kerweplatz mit gutem Essen und Trinken und viel Spiel bei Karussell, Schieß- und Losbuden.

Autor: Ursula Lutz, 2007